



Nachlese
Die Ismaninger Projekte zur BUGA:
Gestaltete Natur - Natur am Rande einer Großstadt ist immer auch gestaltete Natur – seien es die in verschiedenen Jahrhunderten angelegten Landschaftsgärten oder die in jüngerer Zeit ausgewiesenen Biotope und Renaturierungsflächen, in denen sich einheimische Pflanzen und Tiere ihr Terrain zurückerobern konnten.
Das Spektrum der in Ismaning zur BUGA 2005 unter dem Motto „Perspektivenwechsel“ vorgestellten Projekte reicht vom technischen Bauwerk, das unter einem künstlich angelegten Landschaftspark verschwindet, bis zur Natur, die jegliche Natürlichkeit zurückstellt und zum Kunstobjekt wird.
Zentrum aller Projekte ist der Ismaninger Schlosspark, der sich bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts nachweisen lässt und bis heute kultureller Mittelpunkt des Ortes ist.
Die Ismaninger Projekte – Gestaltete Natur – Vom Landschaftsgarten zur künstlerischen Avantgarde.
Mit dem Projekt „TOPIARY“ des New Yorker Künstler Matt Mullican bietet Ismaning zur BUGA 2005 eine Kunstinstallation von internationalem Rang.
Mullican bedient sich für sein Projekt der „ars toparia“, der „Kunst, aus lebenden Pflanzen Kunstformen herzustellen“. Der geschnittene Baum, das „Formbäumchen“ ist seit der Antike bekannt, hatte seine größte Verbreitung aber zur Zeit des Barock und Rokoko, wo er auch für den Ismaninger Schlosspark nachgewiesen werden kann.Der Reiz, sich heute auf diese alte Kunstform zu beziehen, liegt in der Tatsache begründet, dass im „TOPIARY“ die Pole Kunst und Natur vereinigt sind, die bestimmenden Faktoren der Kulturentwicklung der Neuzeit. Matt Mullican stellt mit seinen „TOPIARYS“ nicht nur gedanklich, sondern auch räumlich die Verbindung her zwischen dem historischen Schlosspark und dem Kunst- und Kulturschaffen der Gegenwart.
„TOPIARY-Türme“ – aus Hainbuche geschnittene Baumskulpturen von ca. 2,7 Metern Höhe – begleiten die Kultur-Meile zwischen Kallmann-Museum und Bürgerpark. Der Besucher wird so durch die verschiedenen Grünanlagen des Ortes geleitet. Ausgangspunkt ist die im Schlosspark vor dem Kallmann-Museum gepflanzte „begehbare Skulptur“.
Ausstellung: Matt Mullican – Werkschau
Ausstellung im Kallmann-Museum in der Orangerie im Schlosspark
Der Ismaninger Schlosspark ist nicht nur grüne Lunge und Erholungsraum für die Bürger der Gemeinde, sondern kann mit seiner Historie über den Ort hinaus Bedeutung als Kulturdenkmal beanspruchen. Um 1806 wurde die ehemals barocke Anlage vom bedeutenden Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell zum heutigen Englischen Garten umgestaltet.
Als seltenes Beispiel einer privatimen, kleineren Anlage des mittleren Adels stellt der Park im Vergleich mit den großen, staatlich initiierten Anlagen vor allem in Nymphenburg und München (Englischer Garten) eine interessante Variante der Sckell´schen Gartenkunst dar. Sein kulturhistorischer Wert ist umso größer, als vergleichbare Anlagen, wie z.B. der Montgelas’sche Garten in Bogenhausen, der gemeinsam mit dem Ismaninger Park angelegt wurde, oder der Park von Schloss Biederstein, im Zuge der Stadtentwicklung überbaut wurden.
Auch im Ismaninger Schlosspark sind Eingriffe des 20. Jahrhunderts deutlich sichtbar, in seinem Kernbereich jedoch erscheint der Park immer noch als alte gewachsene Anlage. Nach Sckell wurde ab 1835 Jean Baptist Métivier als Hofbaumeister der Herzogin von Leuchtenberg in Ismaning tätig. Er fügte einige bauliche Ergänzungen hinzu, ohne dass in die Struktur des Englischen Gartens eingegriffen wurde. Da auch unter den folgenden Besitzern kaum größere Umgestaltungen vorgenommen wurden, sind weite Teile der Wegeführung und Baumgruppierung bis heute erhalten.
Gestaltete Natur – Vom Landschaftsgarten zur künstlerischen Avantgarde –
Zur Geschichte des Ismaninger Schlossparks - Ausstellung des Schlossmuseums in den Räumen des Schlosspavillons
Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Schlossmuseums steht eine Ausstellung zur Geschichte des Ismaninger Schlossparks. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die ehemals barocke Parkanlage zu einem Englischen Garten umgestaltet. Parallel dazu erfolgte unter Freiherr von Hartmann eine bauliche Aus- und Umgestaltung der gesamten Schlossanlage. Die Herzogin von Leuchtenberg ließ als Schlossherrin von Ismaning durch ihren Hofbaumeister Jean Baptist Métivier nochmals einige Veränderungen im Schlosspark durchführen. Nach 1919 wurde der ehemals von hohen Mauern umgebene Park schrittweise für die Allgemeinheit geöffnet und steht heute allen Besuchern als Refugium zur Verfügung.
„Lebendige“ Sonnenuhr
Ein kleines Kunstprojekt spielt mit historischen Bezügen zur Schlossanlage: Sonnenuhren sind nach den alten Plänen für verschiedene Standorte im Ismaninger Schlosspark nachgewiesen. Um auch im Park wieder eine Sonnenuhr zeigen zu können, wurde eine „lebendige“ (analemmatische) Sonnenuhr in den Schlosspark eingefügt. Bei dieser Form der Sonnenuhr handelt es sich um ein in den Boden eingelassenes Zifferblatt, wobei der Schatten des Betrachters zum Zeiger wird.
In den 1980er Jahren entstanden innerhalb der Gemeinde Pläne, am südlichen Ortsrand eine zweite Parkanlage zu schaffen.
Zunächst als Sportpark gedacht, entwickelte sich das Projekt im Laufe der Zeit zu einer naturnahen, parkartigen Grünanlage innerhalb dichter Wohnbebauung. Die so bewahrte Freifläche präsentiert sich in ihrem Kernbereich als baum- und strauchlose Wiesensenke, in den Randlagen findet man einheimische Baum- und Strauchbestände.
Neben der Bedeutung für den Naturhaushalt und der Sicherung als Frischluftgebiet gestattet der Bürgerpark heute viel Spielraum für eine langsame, natürliche Entwicklung der Vegetation (Sukzession). Seinen Besuchern bietet der Bürgerpark zahlreiche kommunikative Freizeit- und Erholungseinrichtungen.
Die Kultur-Meile führt Besucher vom Schlosspark über den Grünzug zum Bürgerpark.
Der Bau des neuen Münchner Flughafens und die geplante Erweiterung der S-Bahn über den ehemaligen Endpunkt Ismaning hinaus gab den Anstoß für ein Projekt, mit dem es gelungen ist, den Bürgern nicht nur eine optimale Verkehrsanbindung zu ermöglichen, sondern auch im Kernbereich des Ortes einen neuen Erholungsbereich zu schaffen.
In einer großen solidarischen Aktion konnte die "Ismaninger Bürgergemeinschaft für S-Bahntunnel e.V." in den 1980er Jahren die gesamte Ismaninger Bevölkerung mobilisieren, den Weiterbau der S-Bahn zum neuen Flughafen in einer unterirdischen Bahntrasse zu fordern. Durch erheblichen Mitteleinsatz der Gemeinde, zusammen mit den weiteren Beteiligten – dem Freistaat Bayern und der Bahn –, konnte dieser Wunsch schließlich realisiert werden.
Es war von Anfang an Intention der Gemeinde, auf der Bahntrasse einen begrünten Nord-Süd-Freibereich zu schaffen, der den Anschluss an das Erholungsgebiet Eisweiher/Taxet ermöglicht. Das Motto lautete: "Die Qualität eines Ortes wird zukünftig nicht dadurch bestimmt, was bebaut wird, sondern davon, was von einer baulichen Nutzung freigehalten wird."
Mit dem Grünzug ist es gelungen, ein technisches Bauwerk in eine harmonische Parklandschaft umzuwandeln, die vergessen macht, dass unter der Erde eine der meist frequentiertesten S-Bahn-Linien Münchens verläuft.
Mitte der 1990er Jahre wurde die Bebauung auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei AGROB – in den 1960er und 1970er Jahren einer der größten Arbeitgeber in der Gemeinde – im Rahmen eines Städtebaulichen Vertrages neu geordnet. Die Neuordnung umfasste neben den Festlegungen zum Baurecht insbesondere ein Ausgleichsflächenkonzept, das sich auch auf den umliegenden Bereich des heutigen Medien- und Gewerbeparks erstreckt.
Dass die beauftragten Planer sehr umsichtig mit der bestehenden „Fabrikarchitektur“ umgegangen sind, zeigt sich auch heute noch deutlich. Auf dem Gelände bilden Ziegelbauten und moderne, zeitgemäße Gebäude eine harmonische Einheit. Die Innenhöfen der jeweiligen Gebäude laden zu Pausen im Grünen ein.
Das wachsende Umweltbewusstsein hat in den vergangenen Jahren eine Entwicklung zurück zu naturnahen Moorwiesen und Waldflächen möglich gemacht. Durch Begrünung an Entwässerungsgräben und durch gezielte Pflanz- und Renaturierungsmaßnahmen haben sich zahlreiche neue Biotope entwickelt, die eine vielfältige und wertvolle Flora und Fauna beinhalten.
Mittlerweile sind 13 Hektar naturnah angelegt worden, ein beachtlicher Teil hiervon durch eine Bürgergemeinschaft, die im Zusammenwirken mit der Gemeinde nicht mehr genutzte Anbauflächen in neuen Lebensraum für Wildpflanzen und Tiere zurückverwandelte: Einzelbäume wurden gepflanzt, Pflanzstreifen und Hecken angelegt und so sind größere Waldflächen im Außenbereich entstanden, die erheblich zur Aufwertung der Flur beitragen und einen großen Stellenwert für den Naturschutz durch Bildung von Inseln und Vernetzung zu anderen Flächen haben.
Die Bürgergemeinschaft für Landschaftspflege in Ismaning e.V. hat einen Rundweg durch den von ihr renaturierten Bereich ausgeschildert. Er ist als Abstecher zum BUGA-RadlRing angelegt.
Bannwald Taxet
Der heute 33 Hektar große Taxetwald im Süden der Gemeinde ist als Bannwald ausgewiesen. Seit der Wiederaufforstung in den 1990er Jahren ist der Taxetwald unverzichtbarer Bestandteil der Naturlandschaft und hat eine große Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion.
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